LeadAgency

Kai Bösterling. Marketer. Communication Expert. Brand Enthusiast. Creative Strategist.

End of Road in 2013.

Das gehört 2013 der Vergangenheit an.

Dead_end

1. TV als Lean Back Medium.

Bis vor kurzem war das Fernsehen noch der gemütliche Kamin der Familie. Die Lümmel-Ecke der Couch-Potatoes. 2013 wird das Abschalten vor dem Fernsehgerät Vergangenheit sein. TV wird interaktiv, kommunikativ und engagiert. Noch nicht in voller Breite durch Content und dialogische Rückkanäle der Sender. Leider auch noch nicht durch navigierbare Werbeinhalte, die von der Couch direkt zum digitalen PoS verlinken. Die Technik wäre da, aber noch nicht die Investitionsbereitschaft der Sendenden. Gut, dass es Dritt-Institutionen gibt wie Couchfunk und Zapitano, die sich des Second Screens bedienen. Mit diesen Apps macht Wetten Dass? wieder richtig Spaß. Gemeinsam die Unzulänglichkeiten der Moderation eines gewissen Herrn Lanz zu kommentieren und mit den prominenten Gästen beim Wettmarathon mitfühlen, verbindet die eingefleischte TV-Community. Zu sehen, was die Facebook Freunde gerade schauen, gemeinsam getrennt Bewegtbild konsumieren – das macht die fraktale TV-Landschaft wieder übersichtlich. Noch nie war man so nah am Geschehen. Fernsehen wird Nahsehen. Schauen wir mal, wann das Internet endlich die Television wieder zum Lead Medium macht. Zum Medium, welches über echte Interaktion, über Mitbestimm-Funktionen und über den Kauf-Button echte Leads generiert. TV-Sender, Infrastruktur-Provider und Gerätehersteller sollten endlich die Herausforderung annehmen.

 

2. Das eine Mobil.

Mobil ist nicht länger mobil. „Mobil“ und „Mobil“ wird zu oft in einen digitalen Topf geworfen. Smartphones und Tablets werden grundlegend anders genutzt. Die Nutzung von Smartphones unterscheidet sich grundlegend von der Tablet-Nutzung hinsichtlich Umgang mit Content, Usabiltiy des Screens und Generierung von Leads.

Mit der Idee des Responsive Design wird das oft konterkariert. Das Smartphone ist wirklicher mobiler Begleiter. Das Smartphone wird impulsgetrieben aus der Tasche gefummelt. Hiermit werden Bilder gemacht und getaggt, hiermit wird vor Ort navigiert, hier werden Kaufoptionen vor Ort erzielt. Hiermit steigt man in die erweiterte Realität am PoS ein. Der Gebrauch von iPad & Co. ist unterhaltungs- und recherchegetrieben. Er ist privates Second Screen-Kommunikationsmittel oder berufliche mobile Workstation. Also, bitte keine QR-Code-Scan- oder Check-In-Mechanik auf einer Tablet-Anwendung. Und vice versa keine ellenlangen Eingabeformulare oder PDF-Ansichten auf einem Smartphone!

 

3. Der bisherige Papier-Journalismus.

Ganz Gallien ist von den Römern besetzt … So beginnt ein jedes Asterix Heft. So könnte man auch die neueste Geschichte der Zeitungen starten. Das Zeitungswesen ist in diesem Fall Gallien. Die Streitkräfte der Römer symbolisieren die Verdrängungsmacht der digitalen Invasion. Warum sollte man heute noch eine Zeitung kaufen? Bezahlfrei und just in time kann man doch alles online erfahren. Nichts ist älter als die News von gestern. Richtig. Wir brauchen keinen Papier-Journalismus, der sich der Agenturticker bedient. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und dieses Dorf ist vor Ort. Der Zaubertrank ist lokaler und hyperlokaler Journalismus, der vertieft, der erklärt, der aufdeckt. Der die Missstände der Bürger anprangert und Politik ins Rollen bringt. Erst am Frühstückstisch – mit Marmelade bekleckert. Aber dann mit relevanter Reichweite und deshalb meinungsbildend und aktiv verändernd. Okay! Richtiger Einwand. Geht das nicht auch online? Ja, stimmt! Früher oder später. Aber das gallische Dorf „lokaler Papier-Erklär-Journalismus“ wird sich noch über eine längere Zeit behaupten können. Bis die digitalen Kanäle regionalen, journalistischen Mehrwert bieten. Und auch die digitale Infrastruktur relevant nutzen und so profitable Vermarktungsmodelle entwickeln.
Und bis es marmeladen-resistente, frühstücks-kompatible digitale Zeitungsgadgets gibt.

 

4. Der digitale Datenträger.

CD, Festplatte, DVD, BluRay. Die BluRay, kaum hineingeboren in die digitale Welt und schon wieder Dinosaurier. Wir benötigen diese Silberlinge nicht mehr. Apple macht es uns vor. Die Programme gibt es schon lange in der Cloud. Die MacBooks haben kein Laufwerk mehr, ja noch nicht mal mehr eine Festplatte. Und den Prototypen eines All-In-One-Rechners, den iMac, gibt es auch nicht mehr mit dem Schlitz auf der rechten Seite. Rechner werden zu Zugangsplattformen, Software auf Rechnern wird reduziert. Besitzen wird virtuell. Die Musikbibliothek, die Bücherbibliothek, die Filmbibliothek. In der Cloud. Bewölkte Aussichten für 2013.

 

5. Einfach nur kaufen.

Du willst einfach nur kaufen? Wie unentschieden ist das denn? Wie ungeplant, wie uninspiriert. Wie wenig unterhaltsam.
Der eigentliche Kaufakt wird zwar immer einfacher – sowohl am PoS als auch durch Amazon & Co. Aber gleichzeitig buhlen immer mehr Wettbewerber in der digitalen Hemisphäre, und am realen PoS die konsolidierten großen Ketten und Brand Shops, um Publikumsgunst. Ja, um Publikumsgunst! Denn das Kaufen, die Kaufentscheidung, der gesamte Prozess findet heute auf einer großen Bühne statt. Die Bühne für die Produkte und Marken bietet der Handel. Die Marken-Shops selbst, aber auch die Kunden, brauchen eine Bühne für ihre Selbstdarstellung. Kurz und der Reihe nach: Um noch aufzufallen im globalen Einkaufsparadies wird der Handel seine Verkaufsflächen 2013 stärker zur Event-Fläche umfunktionieren. Und so Produkte und Kunden gut in Szene setzen. Begehrlichkeit und Inszenierung schaffen neue Konzepte der Vorselektion. Wie beispielsweise der Lebensmittel-Shop, der Produkte als Zutaten für Rezepte zusammenfasst, auf einem Verkaufstisch. Oder die Hollister Stores by Abercrombie & Fitch: Türsteher und nur von Apple Stores gewohnte Schlangen vor dem Zugang ins begehrte Paradies. Bloß nicht alle auf einmal reinlassen. Die Schlange vor dem Laden ist beste Werbung. Innen dunkel mit Highlight-Spots. Licht aus! Spot an! Die dunkle Luft mit auffälligem Duft geschwängert. Dressmen als Verkäufer.
Ebenso müssen Marken auch online virtuelles Entertainment bieten. Standards werden weitgehend schon 2013 digitale Ankleideräume, 360-Grad-Ansichten, Produkt-Konfiguratoren und Customized Outfits sein. Insbesondere die digitale Welt bietet auch eine Event-Bühne für die Kunden. Hier können sie andere um Kaufrat fragen, sich Empfehlungen einholen und nach erfolgtem Kauf sich von den Facebook Freunden feiern lassen. Die sind sozusagen live dabei beim Unboxing. Evangelisiert werden und andere evangelisieren – das ist das neue Online-Spektakel.

 

6. Separatismus der Kanäle.

2013 steht im Zeichen der Konvergenz. Wer Marketing und Kommunikation noch als Push zum Konsumenten versteht, der hat die interaktive und soziale Welt der digitalen Medien nicht verstanden. Genauso wie Business Mashups und konvergente Technologien entstehen, vernetzen sich zusehends die Kommunikationskanäle. Alles ist im Fluss, jegliche Markenbotschaft befindet sich im Strudel mannigfacher Interaktionen – vor allem zwischen den Markenfans oder -gegnern. Im persönlichen Gespräch, als Facebook Post an die Freunde, im Blog oder als „Product I Love“ (oder: „Product I Hate“) auf Pinterest. Die Kontrolle über die Markenbotschaft, das Unternehmensimage oder die Produkt-Kommunikation ist längst nicht mehr vollends in der Hand der Marketer. Kommunikation wird heute weitergesponnen, Produktgeschichten vertieft, das Setting des TV Spots kritisiert, vielleicht sogar Botschaften karikiert. Aus dieser verflüssigten Kommunikation aller, aus dem Zusammenspiel vieler Fraktale, entsteht die Wahrheit der verschieden Facetten, die Außenwahrnehmung der Marke und des Unternehmens. Auch klassische Print-Medien werden zusehends online vernetzt, durch AR-Technologien, durch Social Media Call-to-Action, wo die atemberaubende Story weiter geht, welche ein Produkt noch spannender … und begehrlicher macht.

Das heißt auch, dass im sozialen Empfehlungsmarketing die Trennung von Paid, Owned und Earned Media zu kurz greift. Alles fließt, alles ist vernetzt. Coca Cola nennt diese richtungweisende Kommunikationsstrategie „Liquid & Linked“. So sozial war Kommunikation noch nie. Push- und Pull-Marketing wird zum Mitmach-Marketing.

 

7. Wissen ist Gelehrsamkeit.

„Hast Du das schon gegoogelt?“ Dieser Satz bringt mich manchmal zur Weißglut. Was für ein Anspruch. Was für ein Verständnis von Wissen. Allerdings: Die Welt ist so komplex, so facettenreich, so widersprüchlich – der Mensch kann nicht alles wissen. Auch Experten nicht. Echten Wissensvorsprung gibt es nicht mehr. Jeder ist Experte. Jeder kann mitreden. Jeder muss mitreden. Jeder ist Arzt. Jeder ist Gas-Wasser-Installateur. Die Welt ist eine Google. Das Wissen ist eine Google. Also gut. Gut, dass es Google gibt. Gut, dass wir sekundenschnell Informationen aufsaugen können. Gut, dass wir alles Wissenswerte finden können. Eine Chance. Wir haben viel mehr Zeit, uns auf den Umgang mit Wissen, auf die Anwendung von Wissen zu konzentrieren.

Also bitte, liebe Universitäten: Lehrt weniger Wissen lernen, sondern mehr Wissen begreifen. Lehrt Wissen richtig anzuwenden, didaktisch klug die richtigen Schlüsse aus dem Wissen zu ziehen, das Wissen projektorientiert effektiv und effizient zu nutzen.
Und Agenturen: Lernt Wissen richtig anzuwenden, didaktisch klug die richtigen Schlüsse aus dem Wissen zu ziehen, das Wissen projektorientiert effektiv und effizient zu nutzen.

Und das leitet auch schon subversiv auf das letzte Thema über.

 

8. Agenturen als Erfüllungsgehilfe.

Bisher hat sich noch fast keine Kommunikationsagentur auf die neuen Gegebenheiten im Digital-Zeitalter eingestellt. Die komplexe Welt, das fraktale System kann nur noch bewältigt werden mit einer entsprechenden Infrastruktur und Prozessen in Agenturen. Agenturen brauchen Kommunikationsberater, brauchen Markenbotschafter, die die „Liquid & Linked World“ verstehen, das Wissen effektiv anwenden können, und die die einzelnen „Kommunikations-Gewerke“ konzertieren und supervisionieren können. Neue Prozessmanagement-Tools und -Methoden werden in 2013 erprobt. Design-Thinking und Effectuation könnten neu interpretiert werden und auf die Agenturbranche zugeschnitten werden. Kleinere digital-klassische Agentureinheiten in einem Office, die auch digital-klassisch vernetzt denken, haben einen entscheidenden Vorteil, weil sie miteinander in einem eingespielten Team integriert konzipieren können – und wollen. Durchmischt, rotierend, interdisziplinär. Nur so kann man heute Kommunikation bewältigen. Vor allen Dingen, wenn man Marken führen und weiter entwickeln will. Dann, wenn man den Lead für eine Marke übernehmen will. Wenn man nicht mehr Erfüllungsgehilfe des Kunden sein will, sondern Sparringspartner. Marken wollen ganzheitlich und unternehmerisch geführt werden. Von Botschaften. Von Marken-Botschaften. Von Marken-Botschaftern.

 

 

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